
Gegendarstellung zu Artikeln in österreichischer Medienlandschaft und ein Plädoyer

Laut neuster Studie der UNO-Bevölkerungsagentur ist die Zahl der Neugeborenen pro Frau innerhalb nur 35 Jahren fast um die Hälfte zurückgegangen. Genauer gesagt schrumpfte die Fruchtbarkeitsrate weltweit von 4,7 auf 2,6 Kinder pro Frau. Der große Umschwung ist vor allem auf die Entwicklungsländer (mit Ausnahme der am wenigsten entwickelten Länder der Erde) zurück zu führen – deren Fruchtbarkeit schwand von durchschnittlich 5,6 Kinder pro Frau auf 2,5. In den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde ist wesentlich weniger Rückgang zu verzeichnen, von 6,3 Kindern zwischen 1970-1975 auf 4,4 Kinder pro Frau zwischen 2005-2010.
Diese Entwicklungen zeigen, dass Maßnahmen zu reproduktiver Gesundheit in den Entwicklungsländern zu greifen begonnen haben und dass sich ein höheres Entwicklungsniveau positiv auf die Geburtenstatistik auswirkt. Auch wird der Zusammenhang klar zwischen dem Erreichen der Millennium-Entwicklungsziele und sexueller, reproduktiver Gesundheit (die zu einer Reduktion der Geburtenrate führt). Die Zahlen strafen auch Neo-Malthusianisten Lügen, die behaupten, dass sich die Überbevölkerung als Problem einer sich entwickelnden Ökonomie und Gesellschaft herausstellt, für die es eine augenscheinliche schicksalhafte Tatsache darstellt, dass das menschliche Geschlecht blind dem Gesetze der unbegrenzten Vermehrung gehorcht, während sich die Unterhaltsmittel, die es leben lassen, mit ihm nicht in denselben Proportionen vermehren.
„Überbevölkerung“ ist aber grundsätzlich kein technisches, sondern ein sozio-ökonomisches Problem, das sich vorrangig durch das Verhältnis zur effektiven Nachfrage und zum produktiv eingesetzten Kapital ergibt, welches die Zahlen der neuesten UNO-Studie beweisen, wenn die am wenigsten entwickelten Staaten (in dem auch die am wenigsten gebildeten Menschen leben), den geringsten Geburtenrückgang verzeichnen.
Die Ergebnisse der Studie sind ein weiteres Plädoyer für eine vermehrte Investition in die ärmsten Länder der Welt im Hinblick auf die Millennium-Entwicklungsziele.
In österreichschen kleinformatigen Print-Medien, wie auch im österreichischen Rundfunk auf orf.at wurden die Zahlen der UNO ganz anders dargestellt: Von einer „traurigen Studie der UNO-Bevölkerungsagentur“ und von „alarmierenden Berichten“ wurde geschrieben. Etwas mehr Fingerspitzengefühl bei der Interpretation neutraler Ergebnisse wäre sicherlich angebracht, vor allem angesichts der Tatsache, dass Entwicklungshilfe in Österreich noch immer viel zu oft am Kern der Sache vorbeiläuft.
Die SWI fordert deshalb einmal von Österreichs politischen EntscheidungsträgerInnen, bei der Entwicklungshilfe mehr in die Umsetzung der Millennium-Entwicklungsziele zu investieren und beispielsweise weniger den österreichischen Milchüberschuss in Form von Trockenmilchpulver an Entwicklungshilfeempfängerstaaten abzutreten (vor allem angesichts der oft prekären Trinkwasserlage ist diese Form der Hilfe mehr als zynisch).
Ferner könnten dann bestimmte Medien, die oft eine „Migrationswelle“ aus Afrika herbeifürchten, durchatmen, da ein Staat mit höherem Entwicklungsniveau auch weniger verzweifelte Menschen, die ihn nur mehr verlassen wollen, verzeichnen wird können.
Die UNO-Studie finden Sie unter folgendem Link: