
Afrikas Bevölkerung überschreitet die Milliardengrenze

Die afrikanische Bevölkerung hat in diesen Tagen die Eine-Milliarde-Marke überschritten. Bei einem monatlichen Bevölkerungsanstieg von etwa zwei Millionen Menschen wächst der Kontinent jedes Jahr um 24 Millionen und damit in etwa um die Einwohnerzahl Australiens oder Rumäniens. Und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Bevölkerung Afrikas voraussichtlich verdoppeln und dann knapp zwei Milliarden Menschen umfassen. Dies geht aus dem DSW-Datenreport 2009 hervor.
Zentrale Ursachen für das rasante Bevölkerungswachstum in den ärmsten Ländern der Welt sind die hohen Fruchtbarkeitsraten und die junge Altersstruktur. In den Entwicklungsländern lebt heute die größte Jugendgeneration aller Zeiten. Fast jeder Dritte ist jünger als 15 Jahre, insgesamt etwa 1,7 Milliarden Menschen. Eine weitere Milliarde ist zwischen 15 und 24 Jahre alt. Ihr Bedarf an Familienplanung ist riesig: Jedes Jahr werden 14 Millionen Teenager schwanger, etwa die Hälfte von ihnen ungewollt. "Dass diese jungen Menschen kaum Zugang zu Sexualaufklärung und Verhütungsmitteln haben, ist unverantwortlich", mahnt DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr.
Bevölkerungswachstum verschärft Armut
Dem Datenreport zufolge lebt fast die Hälfte der Menschheit von weniger als zwei US-Dollar am Tag. Das rasante Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern wirkt dem Kampf gegen die Armut entgegen. Die ohnehin armen Länder müssen immer mehr Menschen mit Nahrung, Bildung, Gesundheitsdiensten und Infrastruktur versorgen. "Wenn wir die Armut lindern wollen, wäre viel erreicht, wenn alle Menschen, die verhüten wollen, auch die Möglichkeit dazu erhielten", erklärt Bähr.
Europäische Bevölkerung schrumpft
Anders als in den Entwicklungsländern wird die Bevölkerung der Industrieländer zukünftig zurückgehen. Obwohl die Kinderzahlen pro Frau in einigen europäischen Staaten wie Spanien, Schweden und Russland laut Datenreport in den vergangenen Jahren zugenommen haben, verharren die Fruchtbarkeitsraten in Europa insgesamt auf einem niedrigen Niveau. Die Bevölkerung des Kontinents wird daher schrumpfen: von heute 738 Millionen Menschen – einem Anteil von elf Prozent an der Weltbevölkerung – auf 702 Millionen im Jahr 2050 bzw. sieben Prozent der Menschheit.
Weiteres Schwerpunktthema 2009: Die Weltbevölkerungskonferenz von Kairo - eine Bilanz nach 15 Jahren
Auf der UN-Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo verabschiedeten 179 Staaten ein wegweisendes Aktionsprogramm, das neue Richtlinien für die internationale Bevölkerungspolitik festlegte. Bis zum Jahr 2015 soll es allen Menschen den Zugang zu Aufklärung und Familienplanung, zum Schutz vor HIV/Aids sowie zu Gesundheitsfürsorge rund um Schwangerschaft und Geburt ermöglichen. Außerdem wurde festgelegt, dass jedes Paar das Recht haben soll, frei zu entscheiden, wann und wie viele Kinder es haben möchte.
Die Bilanz 15 Jahre nach Kairo zeigt, dass trotz einiger Erfolge der Handlungsbedarf nach wie vor riesig ist. Noch immer haben weltweit 200 Millionen Frauen keinen Zugang zu Kontrazeptiva, obwohl sie verhüten wollen. Auch die Müttersterblichkeitsrate ist seit 1994 kaum gesunken. Jedes Jahr sterben mehr als eine halbe Million Frauen an den Folgen von Schwangerschaft oder Geburt.
Die Euphorie, mit der das Aktionsprogramm von Kairo einst gefeiert wurde, hat in den vergangenen Jahren stark nachgelassen - und damit auch dessen Durchschlagskraft. Eines der Hauptprobleme bei der Umsetzung des Programms sind fehlende Gelder. Nach wie vor liegen die Investitionen weit unter dem, was notwendig wäre, um den universellen Zugang zu reproduktiver Gesundheit zu gewähren. Neuen UN-Berechnungen zufolge sind hierfür im Jahr 2010 circa 64,7 Mrd. US-Dollar notwendig. Zuletzt stellten internationale Geber und Entwicklungsländer insgesamt jedoch nur 16,5 Mrd. US-Dollar zur Verfügung.
Die internationale Gemeinschaft muss dringend handeln. Denn der Bedarf an reproduktiver Gesundheitsfürsorge wird aufgrund der jungen Bevölkerung in den Entwicklungsländern zukünftig weiter wachsen – allein in den kommenden 15 Jahren um etwa 40 Prozent.
Der SWI-Datenreport 2009 liefert neueste Daten zu allen wichtigen Indikatoren der Bevölkerungsentwicklung für über 180 Länder und die einzelnen Regionen der Erde: von den aktuellen Bevölkerungszahlen, der Geburtenrate, der Lebenserwartung, der Zahl der HIV-Infizierten bis hin zu Bevölkerungsprojektionen für das Jahr 2050. Auch in diesem Jahr enthält der Report neue Indikatoren: Anteil der HIV-infizierten Jugendlichen, Anteil der Bevölkerung, der von weniger als 2 US-Dollar pro Tag lebt und CO2-Emissionen pro Kopf.
Sie können den neuen SWI Datenreport bei uns bestellen. Schreiben Sie eine Email an info@swi-austria.org oder rufen Sie uns unter 01 533 455 1 an.
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